Prfstand l Flachbettscanner

Peter Nonhoff-Arps
Lesestunde
Spezieller Buchscanner mit Sprachsynthesesoftware
Plusteks Book Reader BAT liest dem Anwender gescannte Texte automatisch vor,
Fr viele Sehbehinderte und Blinde ist der Computer ein wichtiges Hilfsmittel im Alltag. Erleichterung schaffen dabei Programme wie Blindows oder ZoomText Magnifier, welche die Bildschirminhalte vergrert darstellen, sie auf eine Braille-Lese-zeile in Blindenschrift bersetzen oder per Sprachsynthese ber Lautsprecher ausgeben. Zur Verarbeitung von Textdokumenten wie Zeitschriften, Rechnungen, Vertrgen oder Kontoauszgen, die nur in Papierform vorliegen, hat Plustek seinen speziellen Buchscanner Book Reader (siehe c't 19/04, S. 76) jetzt zum Book Reader BAT - einer blindentaug-lichen Vorlesemaschine" - erweitert. Das Besondere an dem Konzept ist das sehbehinderten-gerechte Zusammenspiel zwischen Scanner und PC-Software. Nach Einschalten des Scanners - alle relevanten Tasten sind mit Blindenschrift markiert -steht das System sogleich ohne Einschrnkung betriebsbereit zur Verfgung. Jetzt nur noch das c't-Editorial auf das Vorlagenglas gelegt, die Taste 1 gedrckt und nach knapp 20 Sekunden beginnt die synthetische, aber angenehm klingende Stimme von Steffi (eine Mnnerstimme ist in Vorbereitung), den digitalisierten Text vorzulesen. In der kurzen Zeitspanne bis zum ersten Ton wurde der Text gescannt (zirka 8 Sekunden), daraufhin hat er die Texterkennung Abby FineReader 6.0 Sprint Plus durchlaufen und die Vorlesesoftware BookVoice gestartet, um dort auf dem Bildschirm zum Mitlesen zu erscheinen - alles mit nur einem Tastendruck am Scanner, ohne zustzliche Einstellungen.
Es ist erstaunlich, mit welcher Qualitt der Text vorgelesen wird. Bei Kommas hebt sich die Stimme, am Satzende senkt sie sich und bei Gedankenstrichen ergibt sich eine Pause. Ein Datum wie
12.04.06 wird vierter April Zweitausendsechs" vorgelesen. Unbekannte Wrter klingen mitunter knstlich, vor allem solche, die aus dem englischen abgeleitet sind wie Layout"; selbst der Name der Sprachsynthesesoftware BookVoice" klingt im Lautsprecher wie buk-wo-iee". Im Groen und Ganzen lsst sich das c't-Editorial aber gut verstehen.
Problematischer wird die Texterkennung bei Artikeln mit Aufmachern und anderen Layoutelementen. Hier wrfelt die Software ab und zu Abstze durcheinander, sodass sie in verkehrter Reihenfolge vorgelesen werden. Auch bei sehr klein gedruckten Texten, wie etwa dem Kleingedruckten" von Vertrgen oder Geschftsbedingungen hapert es manchmal mit der Erkennung des Layouts. Die kleinen Schriften erkennt die OCR-Software hingegen nahezu fehlerfrei.
Mit Betonung
VoiceBook bietet eine Reihe von Hilfestellungen, die vor allem fr Sehbehinderte von Bedeutung sind. So lsst sich per Funktionstasten der Text am Bildschirm in mehreren Stufen bergro zoo-men, das gerade gelesene Wort in einem separaten, vergrerten Fenster darstellen, Hintergrund- und Schriftfarbe umstellen beziehungsweise invertieren, die Vorlesegeschwindigkeit variieren, einzelne Wrter, Stze, Abstze oder ganze Seiten wiederholen, einzelne Wrter buchstabieren sowie die Lautstrke einstellen.
Praktisch ist auch, dass die Software nicht nur frisch gescannte Texte vorliest, sondern sich auch mit Textdokumenten fttern lsst, die im TXT-, RTF-der PDF-Format vorliegen. Ein Mrchen im PDF-Format las die Software weitgehend fehlerfrei vor - jedoch nicht akzentfrei. Die
Geschichte klang wie von Astrid Lindgren persnlich vorgelesen - mit deutlich skandinavischem Akzent. Die Software kann wohl kaum das allabendliche Vorleseritual am Kinderbett ersetzen.
Um sich Texte spter in Ruhe noch einmal im Sessel ber die Stereoanlage anzuhren oder als Anhang via E-Mail zu verschicken, gibt es die Mglichkeit, aus Textdokumenten Audiodateien im MP3- oder WAV-Format zu erstellen. Die Umsetzung des c't-Editorials (c't 14/06) dauerte etwa zehn Sekunden; die MP3-Datei besa danach eine Gre von etwa 2,5 MByte.
Nahtlos scannen
Das Besondere an Plusteks Book Reader: Sein Vorlagenglas und damit auch die Scan-Einheit reichen bis etwa fnf Millimeter an die Gertekante. Jede Buch- oder Zeitschriftenvorlage lsst sich plan bis zum Bund so auf dem Vorlagenglas platzieren, dass der Scanner beim Einlesen keine Informationen abschneidet. Die Funktionstasten sind bei der BAT-Version allerdings bis auf die drei groen Buttons herstellersei-tig deaktiviert - wohl, um Fehlbedienungen zu vermeiden.
Das Gert lsst sich via Twain-Treiber auch mit anderer Software, etwa einer Bildbearbeitung oder Dokumentenverwaltung, nutzen. Die Scanqualitt wird der Aufgabenstellung - Texte sauber zu digitalisieren - voll gerecht. Fr Fotos hingegen gengen die Scanergebnisse nur geringeren Ansprchen. Farben - auch Hauttne - reproduziert der Scanner zwar natrlich, jedoch erscheinen feine Strukturen bei hohen Auflsungen verwaschen und unscharf. Zudem lsst sich in gleichmigen Flchen ein Rauschen erkennen, das aber noch nicht unangenehm strend wirkt. Vorschau- und OCR-Scans in 200-dpi-
Qualitt meistert der Book Reader mit fnf beziehungsweise 15 Sekunden flott. Fr Farbscans mit 600 dpi bentigt das Gert aber schon mal eine Minute. Beim Scannen entwickelt der Book Reader eine ertrgliche Geruschkulisse, nur die schnelle Rckfhrung des Scanschlittens drfte deutlich leiser sein.
Fazit
Fr 700 Euro bietet Plustek mit
dem Book Reader BAT eine preis
gnstige Alternative zu geschlos
senen Vorlesesystemen. Das
Gert wird der Aufgabenstellung
gerecht: Es liest die meisten Do
kumente weitgehend fehlerfrei
und verstndlich vor. Problemati
scher sind Texte mit vielen unge
bruchlichen Wrtern und Doku
mente mit einem Layout, das die
OCR-Software nicht sauber ge
ordnet bekommt. Hier wnscht
man sich eine Mglichkeit zum
Sortieren der einzelnen Textbl
cke. Mit seiner praxisgerecht de-
signten Scaneinheit eignet er sich
sehr gut zum Vorlesen von B
chern und Zeitschriften. Laut
Plustek hat der Scanner bereits
die Zulassung einiger Kranken
kassen bekommen, sodass Seh
behinderte und Blinde mit Zu
schssen rechnen knnen. Dieser
Beitrag steht als MP3-Hrprobe
im Internet zum Download bereit
(siehe Soft-Link).	(pen)
fsoft-Link 0615088
Plustek
Book Reader BAT
Flachbettscanner Sprachsynthese
Hersteller	Plustek, www.plustek.de
optische Auflsung     1200 x 1200 dpi
Schnittstellen	USB 2.0
Besonderheiten        schmale Scankannte
zum Bcher-Scannen,
Sprachausgabe
Software	Plustek Twain, Abby
FineReader 6.0 Sprint
plus, BookVoice Messungen Scanzeiten Auflicht    5 s (Vorschau), 60 s (A4,
600 dpi), 15 s (OCR,
200dpi)
tatschl. Auflsung     520x570 dpi
Dichte (DJ	1,9
Signal-/	5,8 bei D = 0,96
Rauschverhltnis
Farbreproduktion (E)   13,0,8 (kalibriert) Geruschmessungen   5,8 Sone (Vorschau),
2,6 Sone (Feinscan, 300 dpi)
Abmessungen	453 mm x 285 mm x
(T x B x H)	105 mm
Gewicht	3,4 kg
Preis	700 	c't
c't 2006, Heft 15

